Projekt Snoezelen im Hilfszentrum für Autisten
(HZA) im ungarischen Gyöngyös

Wie alles begann und wo es hingehen soll

Nach der Zeit des Kommunismus hat die Ordensgemeinschaft der Franziskaner in Ungarn viele ihrer bis dahin enteigneten Klöster zurückerhalten. Damit tauchte die Frage einer sinnvollen Nutzung auf. Viele der Gebäude wurden schließlich sozial-caritativen Einrichtungen zur (Mit-) Nutzung zur Verfügung gestellt.


Die Klosterkirche

Im Oktober 1999 gründeten die Franziskaner im Kloster Gyöngyös ein Hilfszentrum für Autisten (HZA).(Aussprache von "Gyöngyös" etwa "Dschönndschöss", dabei das "dsch" wie im englisch ausgesprochenen Wort "Joker") Direktor dieses Projektes wurde Gyula Ébner, selbst Vater eines autistischen Sohnes.

Diese Einrichtung mit insgesamt 50 Plätzen besteht zur Zeit aus einem Internat mit angeschlossenen Therapieangeboten und einer anerkannten Schule.
Das HZA ist inzwischen in Ungarn sehr bekannt und soll wegen des großen Bedarfs an weiteren Plätzen in den nächsten Jahren umfangreich erweitert werden. Dieses ist jedoch nicht in Gyöngyös selbst möglich, weil dort einfach der Platz fehlt. Geplant ist nämlich die Einrichtung einer Farm mit den entsprechenden Gebäuden, mit Feldwirtschaft und Tierhaltung, auf der Autisten aller Altersgruppen zusammen leben und arbeiten sollen.
Inzwischen steht auch fest, wo dieses Projekt seine Heimat finden wird: in einem benachbarten Dorf mit dem Namen Karáscond. Dieser Standort wurde nach gründlicher Suche und schließlich auch einer Befragung der Dorfbewohner ausgewählt. Noch in diesem Jahr wird mit dem Bau der Farm begonnen.

Was ist der frühkindliche Autismus?

Nach dem ICD-10 (International Classification of Diseases der WHO) ist der frühkindliche Autismus (Kanner-Syndrom) eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die durch einen abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung definiert ist. Der frühkindliche Autismus manifestiert sich bereits vor dem dritten Lebensjahr.
Die Kernsymptome des autistischen Syndroms sind
  • Störungen der sozialen Interaktion,
  • Störungen der Kommunikationsfähigkeit,
  • eingeschränktes, repetitives Verhalten.
Die Bandbreite der Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit autistischem Syndrom ist außergewöhnlich groß. Ausführliche Angaben findet man auf der Homepage des Bundesverbandes Hilfe für das autistische Kind .


Wandprojektion mit Hilfe des Flüssigkeitsprojektors

 

Snoezelen mit Autisten

Bisher gibt es nur wenige spezifische Erfahrungen zum Snoezelen mit autistischen Menschen. Zum Teil wird diese Methode in Fachkreisen abgelehnt, weil ihr bisher die wissenschaftliche Basis fehlt.
Immerhin gibt es aber einige Erfahrungsberichte aus Einrichtungen der Behindertenhilfe, in denen auch vereinzelt Autisten leben. Seit vielen Jahren wird dort schon mit Autisten im Snoezelraum gearbeitet. Die Rückmeldungen sind überwiegend positiv, wobei es sich im Wesentlichen um Erfahrungen im Freizeitbereich mit dem Ziel allgemeiner Entspannung handelt.

Snoezelen im HZA in Gyöngyös – wie es konkret wurde

Angeregt durch Kontakte zu holländischen Einrichtungen interessierte man sich im HZA schon sehr früh für das Snoezelen. Über Pater Athanasius vom Franziskanerkloster in Düsseldorf erreichte mich schließlich im Sommer 2003 eine konkrete Anfrage zur Einrichtung eines speziellen Snoezelraumes für die Kinder in Gyöngyös und die Grundeinweisung der Mitarbeiter ins Snoezelen. Es standen im HZA zwei kleine zusammenhängende Räume zwischen der Schule und dem Wohnbereich mit separatem Eingang für das Snoezelen-Projekt zur Verfügung. Sie sollten möglichst vielfältig nutzbar sein, besonders aber für Entspannungsarbeit, die als besonders dringend erachtet wurde. Die massive Symptomatik vieler Kinder, die relative räumliche Enge im Freizeitbereich und die vielfältigen Anforderungen an die Kinder im Bereich Schule und Therapie erforderten ergänzende Interventionsmöglichkeiten. Man erhoffte sich vom Snoezelen konkret eine intensive Unterstützung beim Abbau von zwischenmenschlichen Spannungen und hyperaktiven Verhaltensweisen.

Als Ergebnis der Überlegungen kamen wir zu dem Schluss, dass im Hinblick auf die Erwartungen der Verantwortlichen in Gyöngyös die beiden Räume nur der Beginn eines umfassenderen Snoezelprojektes sein könnten. Schrittweise sollten zu einem späteren Zeitpunkt weitere Räume mit unterschiedlichen inhaltlichen Zielsetzungen hinzugefügt werden. Ein zentrales Problem ergab sich natürlich von Anfang an aus den knappen finanziellen Resourcen: Im Wesentlichen muss das Projekt über Spenden finanziert werden, weil staatliche Fördergelder für ein solches Projekt kaum zu erwarten sind.


Das Bällchenbad vor dem Weißraum

Im Oktober 2003 wurden die ersten beiden Räume eingerichtet. Im Vorraum wurde über die gesamte Raumbreite vor dem Fenster ein großes Bällchenbad eingebaut. Später sollen an der Decke große Ankerhaken eingeschraubt werden, um bei Bedarf diverse Schaukeln oder Seile installieren zu können.


Blasensäulen und Fasernebel

Der zweite Raum wurde zu einem Weißraum. Seine Besonderheit bestand in der Möglichkeit, eine extrem reizarme Atmosphäre herstellen zu können. So wurden nur wenige Geräte und Möbel eingebaut, um von vorn herein der Gefahr einer Reizüberflutung zu begegnen. Da Autisten bekanntermaßen große Probleme bei der Wahrnehmungsverarbeitung haben, sollten hier wirksame und gezielte Einzelreizangebote zum Einsatz kommen können. Zentrales Element wurde ein Wasserklangbett von 2 x 1 Meter Größe. In einer Ecke installierten wir ein Podest mit zwei äußerst stabilen Blasensäulen (mit Farbwechsler; starker Vibration; starker Geräuschentwicklung; beide Säulen einzeln schaltbar; eine Säule wurde mit Fischen und weiteren Schwimmelementen besetzt). Die gesamte Ecke wurde mit Acrylspiegeln versehen, was nicht nur zu verstärkten optischen Effekten führen sollte, sondern auch die Möglichkeit schuf, dass sich die Kinder im Spiegel betrachten können. Zwischen den Blasensäulen und den Spiegeln bestand ausreichend Platz, sich bequem hinzusetzen oder zu legen. In einer Ecke wurde in Kopfhöhe ein Projektor mit Flüssigkeits-Effektscheiben installiert. Als Projektionswand war die gesamte Wandfläche über dem Wasserklangbett vorgesehen.

Blasensäulen vor Acrylspiegelwand

Als Musikanlage wurde ein Spezialverstärker mit doppelter Endstufe und zwei externen Lautsprecherboxen ausgewählt. Über dieses Gerät werden auch das Wasserklangbett und das Wooferboard mit Impulsen versorgt.
Auf weitere Effekte wurde bewusst verzichtet, insbesondere auf den Einsatz einer Spiegelkugel mit Farbspot. Sie würde zu viel Unruhe in den Raum bringen.
Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, in dem Weißraum mit einem Wooferboard und einer mobilen Faseroptik zu arbeiten. Beide Geräte sind nicht fest montiert, befinden sich aber meistens im Raum, weil sie sehr beliebt sind.


Wasserklangbett mit Fasernebel

Im Oktober machten wir mit fünf ausgewählten Kindern die ersten Filmaufnahmen im Snoezelraum. Ziel war einerseits die Erstellung einer Dokumentation über einen längeren Zeitraum hinweg, andererseits das Zusammenstellen von Filmmaterial für die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern.

Besonders zwei Kinder fielen uns gleich zu Beginn wegen ihrer starken Reaktionen auf das Snoezelen auf. So entschlossen wir uns, mit diesen beiden Kindern im Januar 2004 die Filmarbeiten fortzusetzen, was dann auch geschah. Die Ergebnisse der regelmäßigen Snoezelraumbesuche waren bei beiden Kindern äußerst positiv. Beide zeigten deutlich sichtbare Verhaltensänderungen: Eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit, größere Ruhe und Gelassenheit, eine deutlich wahrnehmbare Steigerung der Kommunikation zwischen den Kindern und den Bezugsmitarbeitern (und in einem Fall sogar mit intensiven Körperkontakten verbunden), sowie eine Reduzierung bzw. Abschwächung aggressiver Verhaltensausbrüche.
Mit diesen beiden Kindern werden auch in Zukunft weitere Filmaufnahmen gemacht, um die Fortschritte zu dokumentieren.

"Filmkind" Hitoshi liebt die Blasensäulen...

... und das neue Wasserklangbett:

 

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Wie kann man das Projekt unterstützen?

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, benötigen wir für die Fortführung des Projektes dringend Spendengelder zur Ausstattung weiterer Räume und für die Anschaffung von neuen Therapiematerialien.
Die Spendengelder werden über den Franziskanerorden gezielt und kontrolliert eingesetzt. Selbstverständlich können für alle Zuwendungen Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.
Die Kontoverbindung lautet:

Kölnische Franziskanerprovinz e.V. HZA
Stadtsparkasse Düsseldorf
Konto Nr. 10 159 911
BLZ 300 501 10

Auf dieser Seite wird über das auf mehrere Jahre
angelegte Projekt in unregelmäßigen Abständen berichtet.